Effendi Eins – “Egos” Review

Noch kurz vor dem eigentlichen Release durfte ich die erste Platte vom berliner Urgestein Effendi Eins genauestens durch meine Lauscher gehen lassen und mir ein Bild von dem machen, was laut Ihm selbst 10 Jahre Vorbereitung benötigt hatte. Bald wird das Werk auch für alle zugänglich sein und glaubt mir, ihr könnt etwas Gutes abseits von dem ganzen kommerziellen Einheitsbrei verpassen. Es ist noch lange nicht Perfekt, aber schon mehr als brauchbarer Genuss für jeden MP3 Player. Genug geschwafelt und nun los zur Track by Track Analyse:

(Klick auf das Cover um zum Download zu gelangen)

 

2 egos

Beat bockt richtig schön an. Die Idee hinter den zwei Egos ist grandios – nichts neues, aber doch sehr gelungen umgesetzt. Die Hook kommt sehr gut rüber und bringt das Thema sehr wunderbar auf den Punkt- im übrigen eines seiner Stärken. Auch die unterschiedlichen Stimmlagen sind sehr prägend für das jeweilige Ego genutzt worden. Auch witzig ist das Outro mit PifD in der Hook. Grandios, grandios…. Hat mit ein wenig mehr Feintunning echt sehr Groß und Komplett werden können.

2m boyfriend

Die sehr eingängige Hook gepaart mit dem passenden Feier-Rockig-klingenden Beat macht sehr viel her. Ein besseres Mixing/Mastering (Beat muss mehr wumms haben – evtl. mit Livedrums) hätte dem Song noch mal einen extra Push gebracht. PifD hat einen sehr auffallenden und sehr geilen Part geworfen (“da komm ich leider nicht an seinen Kinn” hahaha). Er hat den Effendi bei dem Track definitiv ausgestochen. Die Parts sind insgesamt auch sehr geil geworden und jeder von uns kennt diese Situation des bösen Boyfriends deines Augenfanges ;-) Vom Stil und Style hätte da auch ein berühmtes Rockfeature reingepasst, Ärzte maybe…???

Fensterplatz

Mal einen nachdenklicheren Song, der von dem Beat und der Stimmlage sich schon quasi selbst tragen kann. Bringt sehr viel Atmosphäre mit sich. “Fensterplatz” ist ein etwas merkwürdiger Titel, besonders, wenn man die Person in seinem Auto mitnehmen will – da gibt es doch fast nur “Fensterplätze”. “Auch wenn Du immer das selbe machst, erlebst Du nie das gleiche” ist eine sehr geile Zeile und stellt den Track gut in Szene und regt zum Nachdenken an.

Life is Good

Der Beat bringt richtig gute Stimmung. Leider sind die einleitenden Zeilen ein wenig schwierig geflowed und bringen durch den schwierig zu hörenden Reim einen leicht hakeligen Einstieg. “Hallo Tag, wie geht’s Dir ich weiß ich hab lang nicht mehr gefragt” ist auch eine Hammer Zeile. Dicke Props über das positive Sein des Lebens.

Schlag das Fass an

Paarty und PifD wieder am Board. Respekt, also was man aus dem einigermaßen schwierigen Beat rausgeholt hat. Beat ist schon hart, aber passt perfekt zur Stimmung saaaaaauuufen yühaaa. “Das ist wie Gozillafilme, hier siehst Du noch Menschenechsen / Menschen ex’n” ist die prägendste Zeile schlechthin. Nicht ganz richtig, aber das fällt einem nur nach genauerer Betrachtung wirklich auf.

Luxus

Uptempo Beat und schnelle Flows machen den Beat ein wenig Partytauglich, aber auch schwer zu folgen. Es sind sehr deepe Ansagen und leider wird der geneigte Hörer nur unter extremen Anstrengungen den Texten von PifD und Effendi folgen können. Insgesamt schon sehr gut geworden und bringt eine kleine Abwechslung in dem gesamten Tracklistbild. Das Video mit der Boygroup-like Tanzeinlage am Ende ist dagegen schon fast ein Muss.

Blutschnee

Kennt der alte Battleholicz User schon in einer alten Version, jetzt noch mal schöner aufgenommen. Sehr geiler, harmonischer Track mit einer schön klingenden Frau in der Hook. Hat einen “Fensterplatz” Gefühl, aber sehr viel besser. Mehr Emotionen werden von Effendi in seinen Raps getragen. Ganz großer Track.

120 Sachen

Im ersten Moment ist man erstmal orientierungslos über das Soundbild und den Track im Allgemeinen. Es wirkt mehr nach Deichkind oder Elektro-Pop. “120 Sachen” sollte aufgrund der Thematik mehr “(1)20 Sachen” heißen. Insgesamt schon sehr witzig, aber auch weniger HipHop – aber die wichtigste Frage bei dem Track lautet wirklich, ob der Effendi etwas unversucht lässt und ab wann er mal bei einem Versuch scheitern könnte.

Steckbrief

Das eigentlich richtige Intro auf dieser Scheibe, auf dem sehr schön und mit passendem Beat die Person Effendi sich vorstellen darf. Leider lässt der dritte Verse von dem Stil ein wenig nach, aber schadet dem Track im Ganzen betrachtet nicht wirklich. Herrlich wie PifD Steckbriefartig den Effendi etwas fragt und er drauf eingeht. Schön mit einem gut-pumpenden HipHop Beat. Top Track.

wir gehen nicht heim

ElektroHipHop schlägt wieder zu. Jetzt mal richtig. Irgendwie ist das ja auch sehr angesagt und sehr beliebt. Warum nicht, auch wenn ich nicht so der große Fan von dem 90iger Jahre Eurodance Revival. Auch wenn es eine schöne Ansage mit Mit-Schrei-Garantie ist, wirkt der Track für mich nicht so geil.

Schlafen

Mein Lieblingstrack auf dem Album. Beat, Hook von einer Frau gesungen, Rap, Stimmung und das Thema sind einfach top on point. Boah… insgesamt eine Gänsehaut Atmosphäre wie ich sie selten bei so einem Paket erleben durfte. Der Einsatz der letzten Hook hätte im Beat anders aufgebaut werden müssen. “Ich bin kaputt, so dass die Logik auf der Strecke bleibt, na klar geht es auch anderen Schlecht, mir fehlt nur grad Gerechtigkeit”… Perfektes Ende eines sehr gelungenem Albums.

outro (Out of Reach)

Elektro-Mukke ohne Rap hätte man auf diesem Album wirklich weglassen können. In der endgültigen Version ist dieser Track dann doch nicht mehr vorhanden, eine gute Entscheidung.

Fazit: 41 Minuten auf 12 Songs verteilt, und das mit dieser lyrischen Qualität machen hieraus wirklich etwas gelungenes. Effendi hat fast keine Kinken in seinen Texten und sein Flow ist so dermaßen routiniert, dass er sowohl langsam als auch schnell und abwechslungsreich performen kann. PifD ist als Feature schon stärker als Effendi aufgetreten, doch es schadet ihm nicht sondern bringt eine gute Abwechslung. Die Hook Features sind genial, genauso wie die meisten Hooks selbst – gehen auch schön ins Ohr. Was dem Albumgenuß stark trübt sind leider die Beats.

Die Beats sind an sich schon sehr gut, doch wirken zum Teil unfertig bzw, es fehlt die Abwechslung / das Arrangement um mehr mit den Vokals zu harmonieren. Dadurch hätte man noch viel mehr rausholen und besser für die Massenkompatiblität produzieren können. Für HipHop Heads lohnt sich das Werk, für die große breite Masse sind einige Lichtblicke vorhanden, aber ohne den Feinschliff fehlt höchstwahrscheinlich das gewisse Etwas. “Schlafen” ist das beste Beispiel. Aus dem letzten Drittel hätte man noch so viel mehr rausholen können.

Effendi, hast Du wirklich gut gemacht. Als dein erstes Werk ist es mehr als gut geworden. Mit der Erfahrung kannst Du Dich nun an etwas ganz großem ranwagen.